Was ist Kunstgeschichte?

Die ältesten erhaltenen Kunstwerke datieren auf etwa fünfhunderttausend Jahre vor Christus. In allen Epochen der Menschheitsgeschichte und in allen bewohnten Ländern der Erde wurde Kunst in unterschiedlichen Formen und Gattungen geschaffen.

Das Fach Kunstgeschichte beschäftigt sich nur mit einem bestimmten Bereich dieser Weltkunst, und zwar zeitlich wie räumlich gesehen. Die Zeitspanne umfasst etwa 1.200 Jahre und reicht vom Frühen Mittelalter ab etwa 800 n. Chr. bis zur Gegenwart. Im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit steht dabei die europäische Kunst im Mittelpunkt, während ab dem 19. Jahrhundert die verschiedenen internationalen Kunstströmungen in den Vordergrund rücken. Andere Kunstepochen oder Kulturräume, wie die antike oder die oströmische Kunst, werden von eigenständigen wissenschaftlichen Fachdisziplinen bearbeitet: etwa von der Archäologie oder der Byzantinistik.

Im traditionellen Sinne beschäftigt sich die Kunstgeschichte mit den drei Hauptgattungen der Kunst: Architektur – Malerei – Skulptur. Hinzu kommen noch weitere Nebengattungen, wie die Druckgraphik oder das Kunstgewerbe. In der modernen Kunst treten neue Gattungen auf, etwa die Photographie oder die Videokunst. In der Kunstgeschichte ist es üblich, die künstlerische Entwicklung in einzelne Stilepochen zu unterteilen, wie Romanik, Gotik, Renaissance oder Barock.

Ein weiterer Bereich, mit dem sich die Kunstgeschichte befasst, ist die Kunstliteratur. Diese schriftlichen Texte, wie Traktate oder Manifeste, liefern wichtige Erkenntnisse über die Entwicklung in den einzelnen Stilepochen. Ebenso bedeutend ist die Kunsttheorie, zu der auch die Ästhetik oder die Kunstphilosophie gezählt werden.

Kaum mehr zu überschauen ist das Feld der Methoden und Analysetechniken, die von der Kunstgeschichte entwickelt wurden, um die verschiedenen Bild- und Zeichensysteme der Kunst zu untersuchen.

 


Dabei stehen etablierte Verfahrensweisen, wie die Ikonographie (Interpretation von Inhalten und Bedeutungen im Kunstwerk), neuen Methoden, wie der so genannten „Bildwissenschaft“, gegenüber. Seit den 1990er Jahren untersucht die Bildwissenschaft elementare Merkmale und Funktionen von Bildern, und das unabhängig von ihrem künstlerischen Wert.

Und schließlich ist die Kunstgeschichte mit ihren wissenschaftlichen Nachbardisziplinen eng vernetzt. Verbindungen bestehen zu den Politik- und Sozialwissenschaften oder zur Kultur- und Literaturgeschichte. Den Versuch, ein Kunstwerk aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Blickwinkeln zu betrachten, bezeichnet man als einen „interdisziplinären“ Ansatz. Im Idealfall ermöglicht diese interdisziplinäre Vorgehensweise, Kunst in ihrem historischen, politischen und gesellschaftlichen Umfeld zu verstehen.